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Neues von der RGK

04 | Kein Leben ohne Bodenleben

19.10.2017 von Uwe Honacker

Kein Leben ohne Bodenleben

Abb. 5) Doppelschwanz (Ur-Insekt), Urheberrechtlich geschütztes Foto von Dr. U.K. Bassemir

Hinter dem Begriff »Bodenleben« verbergen sich ganze Heerscharen, ja Billionen von pflanzlichen und tierischen Organismen, die in den oberen Schichten des Bodens ganz still ihre Arbeit verrichten. Dabei ist die Mehrzahl von ihnen so klein, dass sie mit bloßem Auge gar nicht erkennbar ist. Die allseits bekannten Regenwürmer stellen dagegen wahre Riesen dar.

Ohne sie gäbe es keinen fruchtbaren Boden

Alle diese kleinen Lebewesen arbeiten im Verborgenen, fast unbeachtet, und doch ist die von ihnen vollbrachte Leistung von großer Bedeutung. Ohne sie gäbe es keinen fruchtbaren Boden, keinen Humus, kein Leben. Sie fressen, zerkleinern, verdauen, vermischen, zersetzen und mineralisieren unermüdlich die abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Reste, die sich am und im Boden ansammeln. Ganz nebenbei, sozusagen als Abfallprodukt der Tätigkeit des Bodenlebens, wird dabei wertvoller Humus gebildet. Die Substanz, die Wasser und Nährstoffe zu speichern und wieder abzugeben vermag und die für die Fruchtbarkeit des Bodens so ausschlaggebend ist.

Die Zahl der in den oberen Schichten des Bodens lebenden Organismen ist beachtlich. So enthält zum Beispiel eine Hand voll feuchter humusreicher Erde mehr Lebewesen als es Menschen auf der Erde gibt. Die zahlenmäßig am stärks- ten vertretenen Bewohner eines fruchtbaren Bodens sind mikroskopisch kleine Organismen von weniger als zehntel Millimetern Größe.

Neben diesen, und den un Neben diesen, und den unzähligen Vertretern der »Mikropflanzenwelt«, werden zur »Mikrotierwelt« die tierischen Lebewesen gerechnet, die etwa zwei Millimeter und noch kleiner sind. In einem gesunden Boden in großer Anzahl vorkommend, sind dies überwiegend Milben (Spinnentiere) und Springschwänze (Ur-Insekten).

Abb.1 Kurzspringer (Springschwanz, Ur-Insekt), Tiergröße 0,1 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir
Abb.2 Gleichringler (Springschwanz, Ur-Insekt), Tiergröße 0,1 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir
Abb.3 Laufspringer (Springschwanz, Ur-Insekt), Tiergröße 0,15 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir

Während von den Springschwänzen (Abb.1, 2, 3) keine räuberisch lebenden Arten bekannt sind, sie also "reine Vegetarier" sind, findet man bei den bodenbewohnenden Doppelschwänzen und Milben, sowohl Räuber, als auch sich nur von Pilzen, Algen und abgestorbener Pflanzensubstanz "vegetarisch" ernährende Arten (Abb.4, 5).

Wie beim bekannten Regenwurm, werden im Darm von Hornmilben, Asseln, Fliegenlarven (Abb.7) und Doppelfüßern (Abb.6) die wasserund nährstoffspeichernden Ton-Humus-Komplexe gebildet und als wertvoller Dauerhumus in Form ihrer Losung in den Bodenporen abgelegt. 

Eine reiche Besiedlung des Bodens mit unterschiedlich großen Bodentieren lässt auf einen Boden mit guter Nährhumusversorgung (Losung von Bodentieren) schließen: Die „Vegetarier“ haben beste Lebensbedingungen und stellen damit selbst eine reiche Nahrungsquelle für größere und kleinere Räuber dar. Ganz besonders förderlich wirkt hierbei Kompost, da er bereits nicht nur "fertigen" Humus in Form der Bodentierlosung enthält, sondern den Boden erneut mit Organismen "impft" und gleichzeitig eine wertvolle "Futterquelle" für das Bodenleben liefert. Gute Besiedlung in der Wurzelzone deutet auf eine gute Belüftung hin, da die Bodenporen den Lebensraum für "Vegetarier" und Räuber darstellen. 

Abb.4 Kugelmilbe (Milbe, Spinnentier), Tiergröße 0,07 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir
Abb.6 Doppelfüßer (Vielfüßer), Tiergröße 1,5 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir
Abb.7 Larve einer Waffenfliege (Fliege, Zweiflügler), Tiergröße 0,5 cm | Foto: Dr. U.K. Bassemir

Deshalb gewährleisten alle Maßnahmen, die die Durchlüftung, das Porenvolumen und die Krümelstabilität des Bodens fördern, die Ausbreitungs- und Vermehrungsmöglichkeiten der Bodentiere. Schließlich und endlich sollen die uns allen bekannten Regenwürmer nicht vergessen werden. Sie tragen ganz entscheidend zur Durchlüftung und Durchwurzelung des Bodens bei. Pflanzenwurzeln wachsen besonders gerne in deren Gänge ein, weil in den gangauskleidenden Ton-Humus-Komplexen der Regenwürmer Nährstoffe und Wasser unmittelbar abgegriffen werden können.

(Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der enormen Bedeutung für einen gesunden Boden wird im Frühjahr 2018 ein Folgebeitrag zum Thema REGENWURM veröffentlicht).

Zusammenfassung

Durch die Zusammenarbeit aller Bodenorganismen wird grobes Material mechanisch zerkleinert (gefressen) und biochemisch umgewandelt. Die wertvollen Humus- und Tonhumus-Komplexe entstehen im Darm der Bodentiere unter Mithilfe von Bakterien. Wenn man mit wenigen Worten Leistung und Bedeutung des »Bodenlebens « und insbesondere der Bodentierwelt zusammenfasst, so muss man klar herausstellen: Ihre herausragende Bedeutung besteht erstens darin, dass sie durch ihre Wühl- und Grabaktivität ein reich verzweigtes Porensystem im Boden schafft, in dem Wasser, Luft und Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar werden können. Und zweitens: Durch ihre Fraßaktivität vollzieht sie die Umwandlung pflanzlichen Eiweißes in tierisches Eiweiß und wird damit selbst zu einer lebenden, das heißt längerfristig verfügbaren Stickstoffreserve. Und »so ganz nebenbei« produziert sie unsere wertvollste Bodenkomponente, nämlich den Humus.

Geschätzte Anzahl von Bodentieren

Geschätzte Anzahl von Bodentieren eines europäischen Wiesenbodens auf einem Quadratmeter bis zu einer Tiefe von 30 cm:  
Quelle: Kevan,D.K. McE.: Soil Animals, Witherby, London 1962  
Weiße Ringelwürmer 15.500
Schnecken 8.000
Regenwürmer 500
Vielfüßer 1.700
Asseln 500
Ameisen 500
Käfer und -larven 1.000
Zweiflüglerlarven 1.000
Spinnen 650
Springschwänze 25.000
Milben 29.000

Kontakt

Dr. Ursula K. Bassemir
67071 Ludwigshafen am Rhein
Dr.U.K.Bassemir@t-online.de

Unser Tipp!

Das Fachwissen der Autorin kann gerne für Veranstaltungen angefragt werden, bei denen die Bedeutung des Bodenlebens für den natürlichen Stoffkreislauf veranschaulicht werden soll.

Die Gregor Louisoder Umweltstiftung, München, hat von der Autorin zu diesem Thema einen Kurzfilm „Bodenleben“ auf ihrer Internetseite veröffentlicht - siehe:

http://www.umweltstiftung.com/projekte/landwirtschaft-konkret/kurzfilm-bodenleben/

Die Bildaufnahmen sind Eigentum der Autorin und urheberrechtlich geschützt

Veranstaltung

22.09.2017 von Helmut Strauß

Komposteinsatz in der Landwirtschaft

Veranstaltungsort, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Neustadt an der Weinstraße
Veranstaltungsort, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Neustadt an der Weinstraße

Nicht so einfach - das war das Fazit wohl aller Teilnehmer der gemeinsam von DLZ und RGK organisierten Veranstaltung in Neustadt an der Weinstraße. Auch für die Praktiker in der Beratung der Landwirte und Weinbauern gibt es bei der neuen Düngeverordnung immer noch viele Unsicherheiten, die unbedingt einer Klärung bedürfen.

Umso interessanter und aufschlussreicher die einzelnen Vorträge, die wir Ihnen hier gerne an die Hand geben.

 

Die Referenten haben uns freundlicherweise ihre Vorträge zur Verfügung gestellt – dafür vielen Dank!

Und hier geht’s zu den einzelnen Themen!

 

 

03 | Kompost gehört in jeden Garten!

10.08.2017 von Uwe Honacker

Kompost gehört in jeden Garten!

Des Gärtners Freude: Fertiger Kompost! Foto: NEUDORFF

Gesunde Pflanzen brauchen einen gesunden Boden. Dieser kann durch regelmäßige Kompostgaben preiswert und auf natürliche Art und Weise selbst hergestellt werden. Das Naturprodukt Kompost sorgt zudem für ein aktives Bodenleben, ein kräftiges Pflanzenwachstum und blühende Gärten. Wer in seinem Garten selbst kompostiert, arbeitet Hand in Hand mit der Natur. Pilze, Bakterien und Bodentiere wandeln die organischen Rohstoffe zu wertvollem Kompost um. Die darin enthaltenen Humusanteile und Nährstoffe bauen den Boden auf und versorgen ihn mit allem, was die Pflanzen brauchen. Kompostierung und die Kompostanwendung sind daher die beste Voraussetzung für eine umweltfreundliche Gartennutzung und das „Gärtnern ohne Gift“.

Selbst kompostieren ...

1. Standort: Der ideale Kompostplatz liegt im Halbschatten, ist windgeschützt und leicht zugänglich. Er wird auf einer ebenen, naturbelassenen Stelle mit direktem Bodenkontakt angelegt, so dass Bodentiere zuwandern können.

2. Kompostmiete bzw. Behälterwahl: Sollen größere Mengen an organischem Material auf einmal aufgesetzt werden, empfiehlt sich das Anlegen einer Kompostmiete. Hierzu wird Baum- und Strauchschnitt als Unterschicht auf den Gartenboden gelegt. Darauf wird dann das zu kompostierende Material aufgelegt und mit einer Erdschicht leicht abgedeckt. Kompostbehälter gibt es in zahlreichen Variationen:

a) Preiswerte, oben und unten offene Behälter aus Holz oder Drahtgeflecht, die man auch gut und preiswert selbst herstellen kann.

b) Geschlossene Behälter aus Kunststoff, die gegen zu hohe Feuchtigkeit und in dichten Bebauungsgebieten vor Geruchsbelästigung schützen. Diese sind im Fachhandel erhältlich. 

3. Aufsetzen: Für alle Kompostierungsmöglichkeiten gilt, dass das organische Material in verschiedenen Schichten locker aufgesetzt wird. Eine Grundschicht aus Ästen, Zweigen oder Häckselgut sorgt für eine gute Durchlüftung und verhindert Staunässe. Beim weiteren Aufsetzen sollten immer trockenes und feuchtes sowie strukturreiches (z. B. Baum- und Heckenschnitt) und strukturarmes Material (z. B. Grasschnitt, Küchenabfälle) gut miteinander vermischt werden. Das fördert die biologische Aktivität (Auf-, Ab- und Umbauprozesse) und damit den Rotteprozess. Kompostmieten oder -behälter können mittels Kompostvlies oder langem Gras abgedeckt und so vor Vernässung durch Niederschläge bzw. vor Austrocknung geschützt werden.

4. Umsetzen und Absieben: Sobald der Kompostbehälter voll ist, kann das Umschichten des Komposthaufens erfolgen. Das sorgt für gute Durchlüftung und bringt auch das Material aus den Randbereichen ins Mieteninnere. Dadurch wird die Verrottung beschleunigt und nach cirka einem halben Jahr (bzw. ohne Umsetzen nach einem Jahr) kann der fertige Kompost ausgesiebt werden. Hierfür eignet sich ein Wurfgitter mit einer Maschenweite von 15 bis 20 Millimetern. Alles Material, das durch das Sieb fällt, ist ausreichend verrottet, riecht nach Waldboden und kann direkt als Bodenverbesserer eingesetzt werden. Die noch verbleibenden Grobanteile können wieder als Strukturmaterial für den neuen Komposthaufen verwendet werden.

Praxistipps zur Kompostierung

  • Zerkleinerung: … Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Ausgangsmaterialen, desto schneller die Verrottung! Daher insbesondere stückiges, holziges Material mit dem Schredder oder einer Gartenschere vorzerkleinern. Laub lässt sich beispielsweise prima mit dem Rasenmäher zerkleinern. 
  • Grasschnitt: … lässt man am besten zwei bis drei Tage auf der Wiese anwelken, bevor man ihn gut durchmischt mit groben Materialien (z. B. Heckenschnitt) auf den Komposthaufen gibt. Wird feuchter Rasenschnitt in zu dicken Schichten aufgetragen, kommt es durch Sauerstoffmangel zu Fäulnis und unangenehmen Gerüchen. 
  • Laub: … Für große Laubberge eignet sich die Herbstlaub-Flächenkompostierung. Dazu wird das Laub zusammentragen und in einer Schichthöhe von 15 bis 20 Zentimetern auf einer geeigneten Bodenfläche flächig ausgebreitet. Anschließend kann man es leicht in den Boden einarbeiten oder mit etwas Erde bedecken, dass es nicht vom Wind verweht wird. 
  • Wurzelunkräuter: … breiten sich durch unterirdische Wurzelausläufer (Rhizome) aus. Selbst kleine Teile dieser Rhizome können wieder austreiben. Um diese unschädlich zu machen, gibt man Quecke, Giersch und Ampfer am besten in die Biotonne und damit in die professionelle Kompostierung. Denn dort werden gesichert Temperaturen von 65 bis 70 Grad Celcius erreicht, um die Rhizome unschädlich zu machen. 
  • Samentragende Wildkräuter: … sollten möglichst in die Mitte des Komposthaufens verbracht werden, da dort die höchsten Temperaturen sind. 
  • Pflanzenkrankheiten: … wie z.B. Tomatenfäule und Mehltau sollten nicht in den eigenen Komposthaufen eingebracht werden. Dort sind die erreichten Temperaturen zu niedrig, um Erreger, Pilze und Sporen gesichert zu vernichten. Am besten gibt man daher alle mit Krankheiten behafteten Pflanzen in die Biotonne und damit in die professionelle Kompostierung. Dort werden Schaderreger, keimfähige Samen und Pflanzenteile sicher abgetötet. Die hohen Temperaturen im Rotteprozess sorgen für eine vollständige Hygienisierung des Kompostmaterials, was nachweislich für Kompostprodukte mit dem RAL-Gütezeichen in den Analysenberichten untersucht und bestätigt wird.
  • Zuschlagstoffe: … Kompoststarter, Kalk oder Gesteinsmehl sind als Zukaufprodukte meist nicht notwendig! Kompoststarter enthalten Mikroorganismen, die für die Verrottung von Bioabfällen wichtig sind. Diese stellen sich aber bei richtig aufgesetzten und gut durchmischten Komposthaufen nach einiger Zeit von selbst ein. Kalk wird in Form von Branntkalk und Kalkstickstoff zugegeben, um Geruch zu binden und Wildkrautsamen abzutöten. Damit werden aber auch zahlreiche nützliche Organismen im Kompost geschädigt. Zudem führt zu viel Kalk im Garten zu einem stärkeren Humusabbau und langfristig zur Bodenverarmung. Gesteinsmehl wird als Muschel- oder Algenkalk zur Geruchsbekämpfung angeboten. Das Abdecken mit Laub oder Gartenerde erfüllt meist denselben Zweck.

Komposthaufen und Biotonne …

Der eigene Komposthaufen und die Biotonne ergänzen sich in hervorragender Weise.

Je nach Größe und Fassungsvermögen wandern kleine Mengen von angetrocknetem Grasschnitt, dünne Äste und organische Küchenabfälle auf den eigenen Komposthaufen. Großes Astwerk, das sich nur langsam zersetzt, und lästige Unkräuter, deren Weiterverbreitung man verhindern will, sind ideal für die Biotonne. Ebenso finden Essensreste und Schalen von Zitrusfrüchten besser in der Biotonne Platz. Und genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis: in der professionellen Kompostierung entsteht aus diesen, für den eigenen Komposthaufen vielleicht »zu schwierigen« Materialien, ein gütegesicherter Kompost, der wiederum ideal zum eigenen Kompost passt. Besser könnte es doch kaum gehen: Eigenkompostierung und professionelle Kompostierung sind keine Konkurrenz, sondern gleichberechtigte Partner.

Unser Tipp!

Reicht der eigene Kompost für die Humuszufuhr, Beetvorbereitung und Bodenverbesserung im Garten nicht aus, kann man ausgezeichnete Kompostprodukte auch preiswert bei den Mitgliedsbetrieben der Gütegemeinschaft Kompost Region Südwest e. V. erhalten!

Eine aktuelle Übersicht zu den Kompostanlagen in Ihrer Nähe finden Sie im Internet unter: www.rgk-suedwest.de oder fragen Sie einfach bei Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach.